🤝 Gemeinschaft klingt doch gut
Wärme, Zugehörigkeit, Vertrauen, Wir-Gefühl. Wer wollte dagegen etwas sagen?
Der Soziologe und Philosoph Helmuth Plessner warnte bereits 1924 in seinem Werk „Grenzen der Gemeinschaft“ davor, Gemeinschaft zu verklären. Denn wo alle dazugehören sollen, entsteht schnell Druck: anders denken, Abstand halten oder nicht mitmachen wird dann verdächtig. Die 1930er-Jahre zeigten später auf furchtbare Weise, wie gefährlich ein totalisiertes „Wir“ werden kann.
🎭 Gesellschaft schützt Freiheit
Plessner verteidigt deshalb die oft unterschätzte Gesellschaft: Regeln, Rollen, Höflichkeit, Takt und professionelle Distanz: Wir müssen nicht alles voneinander wissen und immer ganz authentisch sein. Wir dürfen vielmehr Rollen spielen und Grenzen wahren. Das ist keine Unehrlichkeit, sondern schlicht Zivilisation.
🏢 Was heißt das für Ihre Führung?
Auch Unternehmen sprechen gern von Teamspirit, Kultur und Familie. Das kann verbinden. Es kann aber auch vereinnahmen.
Gute Führung braucht deshalb beides: Nähe für Vertrauen und Distanz für Freiheit.
Als Führungskraft müssen Sie nicht beste Freundin oder Freund sein. Wichtig ist, dass Sie klar, fair, verlässlich und menschlich sind. Vielleicht ist das Plessners wichtigste Botschaft für heute:
Nicht jede Nähe ist gut.
Nicht jede Distanz ist kalt.
Nicht jedes Wir ist harmlos – bleiben Sie gesund und zuversichtlich 😄
(mehr in „Grenzen der Gemeinschaft“, H. Plessner, Erstausgabe: Verlag Friedrich Cohen, 1924)
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